22. März 2018

Berufsstand Heilpraktiker: Neue Regierung - neue Erwartungen

Sechs Monate nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 blickt Deutschland gespannt auf die Bildung einer neuen Regierung. Die Ministerposten sind besetzt. Jens Spahn (CDU), ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, löst Hermann Gröhe als Gesundheitsminister in diesem Amt ab. Wie er das zuletzt viel und kontrovers diskutierte Thema rund um den Heilpraktikerberuf handhaben wird, beobachten Heilpraktiker deutschlandweit mit Spannung. Die Erwartungen sind hoch, die Geister geschieden.

Der Stand der CDU zum Heilpraktikerberuf

Bereits vor der Bundestagswahl wurden die Parteien (CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP) von der Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift (DHZ) zu ihrem Standpunkt zum Heilpraktikerberuf befragt. Die Antworten: Politisch. Frau Maria Michalk, ehemalige gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, „misst der Naturheilmedizin und Naturheilmitteln große Bedeutung zu“. „Die Entscheidungsfreiheit [des Patienten] müsse gewahrt bleiben“. Auch die Existenzgrundlage der freien und selbstständigen Heilpraktiker soll gesichert bleiben. Selbstverständlich pocht Michalk auf die Einhaltung klarer Qualitätskriterien (u.a. Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern) und die kontinuierliche Weiterentwicklung dieser. Zudem stellt Michalk klar, dass es verhindert werden muss, dass Heilpraktiker Behandlungen durchführen, für die sie nicht qualifiziert sind. Punkte, denen ein Heilpraktiker zustimmen würde.

Der interessanteste Punkt wurde jedoch erst zum Ende des Interviews deutlich: Michalk fordert eine sachliche und ausgewogene Diskussion über mögliche Verbote. Auch der fachliche Austausch zwischen der Ärzteschaft und den Heilpraktikern muss intensiver erfolgen. „Nur so können Irritationen, etwa bei sektoral arbeitenden Heilpraktikern, schneller ausgeräumt werden“. Wie dies konkret umgesetzt werden soll bleibt offen.

Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD

Am 07. Februar 2018 stellte die GroKo ihren neuen Koalitionsvertrag vor. Unter dem Titel „Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“ werden auf 177 Seiten die Pläne für die nächsten vier Jahre aufgelistet. Und auch die Heilpraktiker finden Erwähnung. „Im Sinne einer verstärkten Patientensicherheit wollen wir das Spektrum der heilpraktischen Behandlungen prüfen“.

Liest man weiter, ist die Kernaussage, dass die „Stärken unseres Gesundheitswesens (...) die Freiberuflichkeit der Heilberufe, freie Arzt- und Krankenhauswahl, die Therapiefreiheit und gut qualifizierte Gesundheitsberufe“ sind. Eigentlich ein Plädoyer für den Berufsstand der Heilpraktiker.

Welche Auswirkungen die neue Regierung und vor allem das Gesundheitsministerium unter Leitung von Jens Spahn und den parlamentarischen Staatssekretären Sabine Weiss und Thomas Gebhart (beide CDU) letztendlich auf den Heilpraktikerberuf haben wird, bleibt abzuwarten. Die Angehörigen des Berufsstandes und Verbände hoffen auf eine sachliche und ausgewogene Diskussion von allen Beteiligten, Befürwortern wie auch Kritikern angewandter Heilpraktikerverfahren.

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